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Waisenhaus-Orden erweist sich als zuverlässlicher Partner PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 05. März 2005 um 02:31 Uhr

Mit gutem Gewissen haben die Hauensteiner THW-Helfer Manfred Steigner und Andreas Wilde sowie PZ-Redakteur Holger Keller inzwischen die Katastrophenregion an der Ostküste Sri Lankas verlassen und den Rückweg quer über die Insel in Richtung der Hauptstadt Colombo angetreten:

Die „Brothers of Charity", die seit der Übergabe den größten Teil der Spendengelder aus der Südwestpfalz für das neu zu bauende Waisenhaus in Kalmunai verwalten, haben sich als vertrauenswürdige Partner erwiesen. Schon kurz nach der Abreise von dort war – wie versprochen – von den Patern eine Nachricht eingetroffen, in der ein Gesprächspartner von Misereor benannt ist.

Wie berichtet, wird das kirchliche Hilfswerk den Aufbau des künftig 110 Waisenjungen umfassenden Gebäudes übernehmen. Von den Mitteln der gemeinsamen THW/PZ-Aktion, die unter anderem auch von THW und Feuerwehr Bitburg gefördert wurde, können Einrichtung, Lernmittel und Fahrzeuge für das Haus gekauft werden.

Der Orden hat zugesichert, von sämtlichen Anschaffungen Kopien der Belege an das THW Hauenstein zu schicken, um eine möglichst umfassende Kontrolle über die Verwendung der Spendengelder zu gewähren. „Mit diesem weltweiten Interesse und dieser Hilfe haben wir niemals zu träumen gewagt. Unser allergrößter Dank geht aber an Sie, für das Vertrauen, das Sie in uns gesetzt haben in der Verwendung des gesammelten Geldes", schreibt Pater Jef, der stellvertretende Wiederaufbau-Koordinator des Ordens, in seiner E-Mail.

Doch nun geht es wieder raus aus der Krisenregion, weg von den bedrückenden Bildern der zerstörten Häuser, der mittellos gewordenen, ohnehin nie mit Reichtum gesegneten Menschen, die ohne Zukunft ins Leere blickend am Straßenrand stehen, der eingerichteten Flüchtlingslager und der notdürftig geflickten Straßen. Lange noch wird es dauern, bis die Wunden, die der Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag ins Land gerissen hat, verheilt sind – wenn überhaupt eine vollständige Heilung möglich ist.

Nur wenige Kilometer ins Landesinnere scheint es, als habe sich die Jahrhundertkatastrophe, die allein auf Sri Lanka 30 000 Menschen das Leben kostete, nie ereignet. In den Dörfern und Städten herrscht ein buntes Treiben, auf den Straßen wird in kleinen Gruppen munter debattiert und in den Garagen und Schuppen gehen Händler und Handwerker ihrer Arbeit nach – fernab westlicher Lebensmittel- und Umweltstandards: Da landet auch schon mal ein Fisch zur Bearbeitung auf einem Holzhackklotz, der offensichtlich noch kurz zuvor für seine eigentliche Aufgabe verwendet worden war.

Akkurat dagegen die Schulkinder: In ihren einheitlichen Schuluniformen, meistens ein strahlend weißes Hemd mit blauer Hose für die Jungen und ein weißes Kleid mit rosafarbenen oder grauen Applikationen für die Mädchen, prägen sie in Massen das Straßenbild morgens um 8 Uhr und am Nachmittag gegen 14.30 Uhr. Auch die Polizei ist ständig präsent, und wenn es nur ist, um am Zebrastreifen für Ordung zu sorgen oder an größeren Kreuzungen den Verkehr zu regeln. Dabei gehört diese Berufsgruppe nicht unbedingt zu den Großverdienern auf Sri Lanka. Rund 8 000 Rupien erhält der Staatsdiener im Monat, knapp 105 Euro. Kein Wunder, dass Korruption auf der Insel ein großes Problem ist.

„Etwas" mehr, nämlich 20 0000 Rupien (2 600 Euro) hat der Tee-Tester in der Teefabrik „Pedro Estate" im hügeligen Zentralland bei Nuwara Eliya im Monat zur Verfügung, verrät einer der Angestellten bei einer Führung. Von dem Manager hänge aber auch das Wohl und Wehe der rund 2 000 Beschäftigten und die Zukunft des Hauses ab. Denn der Tee-Tester hat den sprichwörtlichen Riecher dafür, dass die Teeblätter, die auf unübersehbar großen Feldern auf knapp 2 000 Metern Höhe von fleißigen Frauen (deren Monatsverdienst liegt übrigens bei armseligen 600 Rupien, knapp acht Euro) das ganze Jahr über gepflückt werden, in höchster Qualität verarbeitet werden. Er kann erriechen, wenn von der Holzheizung beim Trocknen der Blätter Rauch ausgeströmt ist, wie die Maschinen und Siebe eingestellt werden müssen und wann der Trocknungsprozess abgeschlossen ist.

24 Stunden und fünf Arbeitsschritte braucht ein Teeblatt, bis es zerrieben und in großes Säcken abgepackt etwa als „Broken Orange Pekoe", das Tee-Spitzenprodukt auf Sri Lanka, auf den Export nach Mitteleuropa und verstärkt auch nach Russland wartet – oder in der billigeren, pulverisierten Form zu europäischen Teevertrieben ausgeführt wird, die das aufwändige Produkt in Beutel füllen und zu Pfennigpreisen in Supermärkten anbieten. Tee ist neben Reis der Haupt-Exportartikel Sri Lankas – und beide Pflanzen prägen auch das Bild des Binnenlandes. Immer wieder sind die Reisbauern im Sarong, dem traditionellen Wickelrock Sri Lankas, bei der Arbeit zu sehen, beim Herrichten neuer Felder, bei der Ernte oder beim Verladen des Grundnahrungsmittels.

Irgendwann kommen die THW-Helfer dann in Kandy an, einer früheren Inselhauptstadt. Dort wird in einem pompösen Tempel ein Zahn des Buddha aufbewahrt – sagen jedenfalls die Buddhisten. Aber auch das Hotel für die nächste Nacht wird dort gebucht; und ehe sich die Südwestpfälzer versehen, werden sie noch zu Fotomodellen. Der Hotelbesitzer wartet bereits mit einem Fototeam auf die Ankunft der Europäer. Der neu gebaute Speisesaal soll in eine neue Werbebroschüre aufgenommen werden – und dort ist dann eben auch die Delegation aus der Pfalz am schön gedeckten Tisch hoch über den Dächern der Stadt sitzend zu bewundern.

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Das Bild zeigt zwei Tepflückerinnen auf einer Teeplantage der Firma Pedro Estate im Landesinnern von Sri Lanka, bei Nuwara Eliya.

Pirmasenser Zeitung vom 05.03.2005

Bild(er) und Bericht mit freundlicher Genehmigung der
Pirmasenser Zeitung veröffentlicht!

 
Spendenübergabe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 04. März 2005 um 02:29 Uhr
Größter Teil der Spende übergeben Auf einem Empfang im Fatima Karmel College in Kalmunai an der Ostküste Sri Lankas haben die Hauensteiner THW-Helfer Andreas Wilde und Manfred Steigner am Mittwoch den größten Teil der Spendensumme der THW/PZ-Flutopferaktion an die Vertreter des von der Flutkatastrophe zerstörten Waisenhauses übergeben – 70 000 Euro. Dabei informierten sie sich auch, wie das Geld verwendet werden soll. Der Rest der Gesamtspende in Höhe von über 110000 Euro aus der Südwestpfalz wird – je nach Fortgang der Arbeiten – später überwiesen.

„Wir brauchen dringend einen Kleinbus, um Lebensmittel auf dem Markt kaufen und unsere Kinder transportieren zu können", berichtete Pater Gregory Boyle, der bei den „Brothers of Charity" den Wiederaufbau nachder Tsunami-Katastrophe am zweiten Weihnachsfeiertag koordiniert und den Scheck entgegennahm. Fast die Hälfte des Spendengeldes, über 30 000 Euro (2,5 Millionen Rupien) wird hierfür benötigt. Der alte Wagen war von den Wellen weggespült worden. Auch ein kleines Motorrad, um schnelle Besorgungen zu erledigen, kann durch die Hilfe aus der Südwestpfalz gekauft werden. Es kostet etwas über 1 000 Euro (rund 80000 Rupien).

Für die Kinder werden zehn Fahrräder gebraucht. Sie sind nicht nur in Kalmunai das gebräuchlichste Verkehrsmittel der srilankischen Jugend. Nach Fertigstellung des neuen Waisenhauses können dank der Hilfe aus Hauenstein, Pirmasens, Bitburg und vielen anderen Gemeinden die Waisenjungen mit modernsten Mittel ihren Schulabschluss absolvieren:

Zehn bis 15 Computer samt Internetanschluss werden gekauft. Hinzu kommen ein Drucker, ein Kopiergerät, eine Schreibmaschine, die Möblierung der Unterrichtsräume mit Tischen und Stühlen sowie für die Küche außerdem ein Kühlschrank und eine Tiefkühltruhe. Was das alles kostet, wird derzeit von Mitarbeitern des Waisenhauses in Erfahrung gebracht. Doch bis zur Fertigstellung vergehen ohnehin noch ein paar Tage. Pater Gregory ist allerdings überzeugt, dass das neue Heim noch in diesem Jahr fertig wird. Bis dahin wohnen die Kinder in einem alten Nebengebäude auf dem Gelände des Ordens, wo sich auch die Schule befindet. Zwei größere Räume stehen hier zum Schlafen zur Verfügung. In jedem stehen 15 Doppelstockbetten eng beieinander. Die Schränke mit den wenigen Habseligkeiten der Jungen wurden auf einem Flur aufgestellt. Es gibt allerdings (noch) keine funktionierende Küche, keinen Raum, um Hausaufgaben zu machen und keine ausreichende Toilettenanlage. Auch hierfür wird das Spendengeld dringend benötigt, ebenso wie für die Verbesserung der maroden Gebäudeelektrik und zur Verbesserug der Wasserversorgung.

Für den Aufbau des neuen Waisenhauses, das nicht mehr am alten Standort an der Küste von Pandiruppu, sondern ebenfalls auf dem Gelände des Ordens in Kalmunai, unmittelbar neben der jetzigen Notunterkunft der Jungen, entsteht, hat zwischenzeitlich das kirchliche Hilfswerk Misereor die Finanzierung übernommen, berichtete Pater Gregory. In der nächsten Woche kommt ein Vertreter aus Deutschland, um das genaue Vorgehen abzustimen. Dann muss noch die Genehmigung der Regierung eingeholt werden. Die Pläne liegen bei den „Barmherzigen Brüdern" allerdings schon fertig in der Schublade: Das neue Waisenhaus soll Platz für 110 statt bisher 75 Waisenjungen bieten. Statt eines großen Schlafsaals gibt es Vier- und Sechsbettzimmer. Hinzu kommen Klassensääle, ein Hörsaal, eine Küche und eine Krankenstation. Insgesamt ist ein dreiflügliges Gebäude mit zwei Stockwerken und einem Satteldach vorgesehen.

Nach Angaben von Pater Stephen Mathew, dem Direktor der Ordensschule, werden in den Unterrichtsräumen und im Hörsaal – wie bisher – für die Schüler und jungen Erwachsenen zwischen zwölf und 21 Jahren auch Nachhilfen und Förderstunden angeboten, die von ehemaligen Waisenkindern des „St. Mary’s Boys Home" gehalten werden. Viele davon sind an einer Universität oder haben dort bereits ihren Abschluss gemacht. „Die Schule des Waisenhauses genießt einen ausgezeichneten Ruf", so der Pater. Am bisherigen Standort in Pandiruppu werden 15 neue Häuser für die Einheimischen gebaut, die bei der Flutwelle ihr Dach überdem Kopf verloren haben. Außerdem entsteht dort ein neues Gemeindezentrum mit Jugendtreff und Bücherei.


Die Aufnahme zeigt einige Kinder und die Verantwortlichen des St. Mary's Boys Home im Fatima Carmel College in Kalmunai aus Sri Lanka, wo die Waisen derzeit untergebracht sind. Auch dese Einrichtung gehört dem Orden „Brothers of Charity", die das Waisenhaus bei Pandiruppu betreiben. Auf dem Bild vorne (Dritter von links) THW-Helfer Manfred Steigner, daneben Pater Stephen Mathew (Leiter der Schule in Kalmunai), rechts neben den Bannern THW-Helfer Andreas Wilde, links dahinter Pater Jef de Wit (Stellvertreter von Pater Gregory), rechts neben Wilde Pater Thevegara (Leiter des Waisenhauses), daneben Pater Gregory Boyle (Koodinator des Tsunami-Aufbauprogramms des Ordens).

Pirmasenser Zeitung vom 04.03.05

Bild(er) und Bericht mit freundlicher Genehmigung der
Pirmasenser Zeitung veröffentlicht!

 
Funkstille PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 03. März 2005 um 02:00 Uhr
Kein Kontakt nach Sri Lanka

Die Hauensteiner THW-Helfer Manfred Steigner und Andreas Wilde sind momentan mit PZ-Redakteur Holger Keller in Sri Lanka unterwegs, um die Spendengelder der THW/PZ-Flutspendenaktion – rund 114 000 Euro sind zusammengekommen – vor Ort für den Wiederaufbau eines Waisenhauses in Pandiruppu an der Ostküste des Inselstaates zu übergeben und sich ein Bild von der Lage nach der verheerenden Flutkatastrophe vom 26. Dezember vergangenen Jahres zu machen. Nachdem die Live-Berichterstattung aus Sri Lanka allen technischen Schwierigkeiten zum Trotz zwei Tage lang einwandfrei funktioniert hatte, ist der für heute eingeplante Artikel samt Bild der modernen Kommunikationstechnik zum Opfer gefallen. Die Handyleitung, mit der die Text- und Bilddaten nach Deutschland transportiert werden, war gestern nicht zu stabilisieren. Natürlich wird die Pirmasenser Zeitung auch weiterhin versuchen, von der Sr-Lanka-Reise aktuell zu berichten – wenn es die Technik zulässt. Morgen ist der nächste Artikel fest eingeplant.

Pirmasenser Zeitung vom 03.03.2005

Bild(er) und Bericht mit freundlicher Genehmigung der
Pirmasenser Zeitung veröffentlicht!

 
Am Ziel angekommen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, den 02. März 2005 um 02:26 Uhr
Ein ganzes Dorf ausgelöscht


Der dritte Tag auf Sri Lanka stand für die Hauensteiner THW-Helfer Manfred Steigner und Andreas Wilde sowie für PZ-Redakteur Holger Keller ganz im Zeichen der unmittelbaren Folgen der Flutkatastrophe. Auch das Waisenhaus in Pandiruppu, das durch die Spendengelder aus der Südwestpfalz wieder aufgebaut werden soll, konnte inspiziert werden. Unübersehbar sind auf dem rund 40 Kilometer langen Küstenabschntt zwischen Batticaloa und Kalmunai die schweren Schäden, die der Tsunami am zweiten Weihnachtstag des vergangenen Jahres verursacht hat.

 

Zerstörte Häuser, Flüchtlingslager und die überall aufgestellten schwarzen Wasserfässer zeugen von dem Ausnahmezustand, der an der Ostküste Sri Lankas immer noch herrscht. Vorbeibrausende Geländewagen der Vereinten Nationen, vom Internationalen Roten Kreuz, Ärzte ohne Grenzen, Care oder World Vision zeugen weiter von der internationalen Hilfe, die weiter auf Hochtouren läuft. Auch kleinere Organisationen wie etwa Wyke oder „Islamic Relief“ beteiligen sich, wie unschwer auf der Beschriftung der Wasserfässer zu erkennen ist.

 

Aber die Behebung der Schäden macht Fortschritte. Das ist zum einen zu erkennen an den umtriebigen Arbeiten beim Straßen- und Brückenbau – sämtliche weggespülte Querungshilfen sind zumindest provisorisch wieder hergestellt – , aber auch beim Wiederaufbau von zerstörten Häusern. In Batticaloa beispielsweise stehen schon wieder viele der früheren Häuser, wurden Fenster wieder eingebaut und weggerissene Wände zugemauert. Die US-Marines, die hier bei den Bergungs- und Aufräumarbeiten mithalfen, bauten sogar eine Kirche wieder auf.

 

Ganz anders die Situation auf der vorgelagerten Landzunge, die zum Festland hin eine breite Lagune, einen Binnensee, bildet. Dort brach sich nämlich die erste Welle und gab so den Bewohnern an Land Zeit, sich bis zum Eintreffen der zweiten Welle in höhere Regionen zu retten. Die Häuser auf der Halbinsel wurden allerdings weggerissen oder schwer beschädigt. Über 200 Tote gab es auf dem etwa einen Kilometer langen Abschnitt. Auf dem dahinter liegenden Festland, das übrigens nur wenige Stunden vor dem Eintreffen der südwestpfälzischen Delegation auch vom englischen Thronfolger Prinz Charles besucht worden war, gab es hingegen lediglich zehn Tote.

 

Sehr viel dramatischer ist die Situation in Kallar, etwa 25 Kilometer weiter südlich von Batticaloa. Hier wurde eine Fischersiedlung schwer in Mitleidenschaft gezogen, leben ihre früheren Bewohner in kleinen Zelten. Seitdem die Flutwelle eingeschlagen hat, können auch die vielen Brunnen nicht mehr genutzt werden: Sie liefern nur noch salziges Wasser. Ein schmaler Weg führt durch die Trümmerandschaft, angelegt von „Ärzte ohne Grenzen“. Auch die Zelte, in denen nun Schulunterricht abgehalten wird, wurden von einer Hilfsorganisation geliefert. „Alles, was bis jetzt an Hilfe gekommen ist, kam aus dem Ausland. Unsere Regierung hat noch nicht einmal einen Plan, wie es hier weiter gehen soll“, beklagt sich ein Bewohner, ein Tamile. Er sieht diese ethnische Herkunft, die in dieser Siedlung nahezu alle Menschen betrifft, als Ursache für das zögerliche Verhalten in Colombo. Warum jedoch die vielen Männer in dem Lager nicht selbst tätig werden, um Backsteine sauber zu hauen oder angeschwemmten Unrat und Kleidungsstücke beiseite zu räumen, bleibt unklar. Dabei sind die Tamilen, die während der englischen Kolonialzeit als willige Arbeiter auf den Teeplantagen aus Indien geholt worden, als arbeitsfreudiges Volk bekannt.


Weiter geht es nach Pandiruppu, noch einmal fünf Kilometer weiter südlich – eigentlich nur, um mit eigenen Augen zu sehen, in welchem Zustand sich das Waisenhaus „St. Mary’s Boys Home“, Ziel der THW/PZ-Spendenaktion, befindet. Erst nach mehrmaligem Nachfragen ist die Richtung klar. Bauarbeiten an der Straße verhindern jedoch ein Weiterkommen, das Reststück muss zu Fuß zurückgelegt werden. Ein Einheimscher übernimmt spontan die Rolle des Fremdenführers und tatsächlich kommt kurz darauf die Anlage in Sicht, in der bis zu der Flutwelle zuletzt 110 Waisenjungen vom kirchlichen Orden „Charity Brothers“ betreut wurden.

 

Das Haupthaus mit Schlafsaal im Obergeschoß steht noch – als eines der wenigen Gebäude in der Umgebung. Dafür wurden die Nebengebäude, in dem sich zum einen Kirche und Bibliothek, zum anderen die Toilettenanlage befanden, komplett zerstört. Mit Father Gregory, der bei den „Barmherzigen Brüdern“ für den Wiederaufbau zuständig ist, sollen am nächsten Tag die Details für die Verwendung der Spendengelder geklärt werden.

 

Aber der Führer, zu dem sich zwischenzeitlich ein zweiter gesellt hat, will noch etwas anderes zeigen: Nur wenige Meter neben dem Waisenhaus beginnt ein Trümmerfeld, das bis zum Strand reicht. Es war bis zum 26. Dezember ein kleines Fischerdorf mit fast 800 Einwohnern. Nur drei Männer, die zum Zeitpunkt der Flutwelle nicht in dem Dorf waren, haben überlebt. Über hunderte Meter liegen die Trümmer der völlig zerstörten Häuser verstreut. Die unbändige Gewalt der Flutwellen lässt sich nur erahnen – und macht dennoch betroffen. Die  Männer zeigen in die Wipfel der Palmen. Geknickte Äste deuten die Höhe der tödlichen Flut an: Sie hängen fast 15 Meter hoch. Sie zeigen auf einen Trümmerberg. Es war früher ein Kindergarten mit 47 Kindern – alle tot. Aber offensichtlich noch nicht alle geborgen, wie ein süßlicher Geruch verrät. Zu schwer wiegen die ineinander verkeilten Betonbrocken.

 

Auf dem Weg zurück zum Wagen eine weitere Baustelle. Vier größere Hallen werden dort errichtet. Als Behelfsunterkünfte für die Dorfbewohner, die wenigstens ihr Leben retten konnten, verrät einer der Arbeiter. Unser Fremdenführer lässt uns nicht eher gehen, ehe er uns bei sich zu Hause eine Cola spendiert hat. Auch ihm stand bei der Flut das Wasser bis zu den Fenstern. Aber das hat seiner Gastfreundschaft keinen Abbruch getan.

 

Pirmasenser Zeitung vom 02.03.05

Bild(er) und Bericht mit freundlicher Genehmigung der
Pirmasenser Zeitung veröffentlicht!

 
Helfer auf Sri Lanka eingetroffen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, den 01. März 2005 um 02:24 Uhr
Auf den holprigen Spuren des Krieges Die Grafik "upload/bilder/srilanka/srilanka1.jpg" kann nicht angezeigt werden, weil sie Fehler enthält.Auf nach Batticaloa an die Ostküste, hin zu Pater Sylvester, hieß es am frühen Montagmorgen für die Hauensteiner THW-Helfer Manfred Steigner und Andreas Wilde. Seit Sonntag sind die beiden gemeinsam mit PZ-Redakteur Holger Keller auf Sri Lanka, um die in der Südwestpfalz von THW Hauenstein und PZ gesammelten Spendengelder für das Waisenhaus in Pandiruppu zu übergeben. Fast 300 Kilometer quer über die Insel, von der Westküste mit der Hauptstadt Colombo bis zur Ostküste - ein Abenteuer.

Etwa drei Stunden Fahrzeit für 100 Kilometer Weg muss man auf der Insel einkalkulieren. Zu hoch gegriffen ist das beileibe nicht. Denn erstens entsprechen die Straßen nicht westlichen Vorstellungen und zweitens sind - selbst wenn es möglich wäre - kaum flott fahrende Autos unterwegs.
Statt dessen tummeln sich Fußgänger, Rad- und Mopedfahrer, Lastwagen und die eigentümlichen dreirädrigen Minitaxis in einem bunten Durcheinander auf den Straßen. Der Sicherheitsgurt defekt? Macht nichts. Hauptsache, die Hupe geht. Denn gehupt wird auf Sri Lanka gern - und nahezu ununterbrochen. Es ist ja auch kein Wunder: Aus Nebenstraßen (die übrigens ausnahmslos nicht asphaltiert sind) wird sich munter in den Verkehrsfluss hineingedrängelt und der zu Überholende wird an den Straßenrand gehupt. Dazu noch Linksverkehr: Nur gut, dass ein einheimischer Fahrer den Wagen lenkt.

Entlang der Strecke durchs Landesinnere wechseln sich arm und reich ständig ab. Eben noch das feudale Anwesen des Besitzers einer Kokosnussplantage, plötzlich schilfgedeckte Lehmhütten, in denen die Landbevölkerung ihr Dasein fristet. Fast jeder, der an der Straße wohnt, versucht mit dem Verkauf von Waren sein Einkommen aufzubessern. Mal sind es Bananenstauden, mal frische Kokosnüsse, die da neben dem unverzichtbaren Wasser und gekühltem Coca-Cola feilgeboten werden - mal sind es aber auch nur einige Bündel Feuerholz.

Völlig ungewohnt: Auch zwischen den Siedlungen sind viele Fußgänger unterwegs - ein König, wer ein Fahrrad hat. Je mehr man sich von der touristisch erschlossenen Westküste Sri Lankas entfernt, desto mehr sinkt auch die Qualität der Straßen. Irgendwann endet sie in einer Sandpiste - aber das hat auch einen anderen Grund: Die Route führt direkt durch das Gebiet, in dem der Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen wütete - und unterschwellig trotz Tsunami auch noch brodelt.

Und die (Singhalesisch) Regierung hat wenig Interesse, die Infrastruktur im Rebellengebiet zu verbessern. Erst vor rund zwei Woche wurde just auf dieser Ost-West-Verbindung einer der wichtigsten Tamilenführer erschossen. Da tröstet auch der Spruch des Fahrers, Ausländer seien nie das Ziel, nur wenig. Die unzähligen Straßensperren von Polizei und Armee - Maschinenpistole umgehängt - , die Stacheldrahtsicherungen und Sandsackverbaue vor den Militärcamps sprechen eine andere, bedrohlichere Sprache.

Dennoch: Bis auf eine Ausnahme können wir alle Kontrollstellen ungehindert passieren. Und auch bei dieser reicht ein kurzes Wort unseres Fahrers zur Weiterfahrt aus - ganz ohne Hilfsmittel übrigens. Die waren allerdings notwendig, als die Polizei ein Überholmanövers unseres Kleinbusses zu kritisieren hat. Beim unauffälligen Auflehnen des Uniformierte auf das geöffnete Fenster wechselten 100 Rupien (rund 1,30 Euro) den Besitzer - und weiter ging die Fahrt.
Am Nachmittag ist's dann geschafft. Nach sieben Stunden, und damit doch etwa schneller als ursprünglich befürchtet, ist der Zielort Batticaloa erreicht, der Ort, der von der Flutwelle am 26. Dezember mit am stärksten getroffen wurde.


 
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